Warum sich eine Reise zur Texhibition Istanbul lohnt

Fünf Hallen mit mehr als 500 Ausstellern haben gezeigt, wie deutlich sich die türkische Textilindustrie weiterentwickelt hat. Nicht nur in Sachen Denim gab es auf der Texhibition in Istanbul (4. bis 6. März) zahlreiche Innovationen zu entdecken. Nachhaltigkeit und Preise stehen dabei überall im Mittelpunkt.

Materialeinkäufer von Unternehmen wie Hugo Boss, Amiri, Salvatore Ferragamo, Stella Nova, Puma, Armedangels, Rabe und viele mehr sitzen an Tischen, vor sich ein Schild, auf dem steht, was sie speziell suchen. Die Leute von Amiri aus Los Angeles und Büro in Mailand sind in erster Linie an den neuesten Denim-Entwicklungen interessiert. Bei Tudorknight aus Manchester dreht sich alles um neue Jerseys, die man schnell sourcen möchte. Cristian Tumidei von Ferragamo muss auch auf die Preise schauen: "Ich habe den Eindruck, Denim und Jacquards sind hier besonders spannend."

Die Messe lädt in jeder Saison europäische und amerikanische Einkäufer ein und veranstaltet Speed Datings. Alles, um die vollstufigen Möglichkeiten des Sourcing-Landes zu promoten. Auch diesmal ist es gelungen. Trotz Ramadan und beginnendem Krieg im Nahen Osten sind die Gänge gut gefüllt. Die Textilindustrie hat, im Gegensatz zur Bekleidungsindustrie des Landes, keine Umsatzrückgänge zu verzeichnen. Im Jahr 2025 blieb der Umsatz umgerechnet bei knapp 10 Mrd Euro stabil. Es wurde in 195 Länder exportiert. Allen voran in die USA. Bis zu 100 Unternehmen aus Amerika kommen normalerweise zur Texhibition. Manche blieben diesmal weg, weil weltweit Flüge aus Kriegsgründen storniert wurden. Auch fehlten einige Besucher aus den südlichen Nachbarländern, die unter den Kriegswirren leiden. Insgesamt macht das laut Messeleitung 8% der Besucher aus. Dennoch bleibt der Textilverband ITHIB positiv gestimmt. Die Zölle in Richtung USA seien derzeit stabil. Die Power der Industrie sei ungebrochen, es werde in über 20.000 Unternehmen weiter investiert. Kate Gilbert, Head of Buying vom Label "4th & Reckless" kauft bislang Webware in Chiona, Jersey und Strick in der Türkei. Auch Schnelligkeitsgründen sucht sie nun auf der Messe nach Möglichkeiten auch mehr Webstoffe hier zu kaufen. Sie sagt: "Bei uns dreht sich alles um Speed to market. Trade and repeat. Die Leadtimes in China sind für uns zu lang." Zwar sei die Türkei etwas teurer, doch die Services machten das wieder wett. Für den Wholesale seien die Margen somit mehr unter Druck, doch Online könne man das gut ausgleichen. Es gebe viele Neuheiten in den Kollektionen und überall gute Qualitäten, das gleiche für sie den Preisunterschied aus. Schließlich gelte für ihre Kollektion die Regel: Buy now – wear forever.

„Wir sind der größte Spitzenhersteller der Türkei, arbeiten für Inditex genauso wie für Luxus Brands. Derzeit laufen die Geschäfte besonders gut.“ Ali Solak, Antik Dantel

Beispiel für ein erfolgreiches Textilunternehmen mit jungen Inhabern der zweiten Generation ist Antik Dantel. Ali Solak führt es mit seiner Cousine Selin Solak in Istanbul. Sie gelten als größte Spitzenhersteller der Türkei, arbeiten für Inditex genauso wie für Luxus Brands. Derzeit laufen die Geschäfte besonders gut. Eigene Designer entwickeln alles für transparente Tops und Kleider und romantische Spitzenverbrämungen. Wöchentlich werden Neuheiten entwickelt, die schnell realisiert werden können. "Unsere Väter sind noch sehr reich mit dem Business geworden", sagt Ali Solak. Jetzt seien die Margen geringer, aber man könne dennoch weiterwachsen und investieren.

Transparente Lieferkette

Bei Kipas Textiles, einem der größten textilen Anbieter mit drei Ständen auf der Messe dreht sich seit kurzer Zeit alles um Hanf- und Leinenmischungen mit Baumwolle, vor allem für Frühjahr 2027. Eine transparente Lieferkette werde garantiert, sagt Sales & Marketing Manager Hüseyin Bozbek. Man sei gut aufgestellt, doch es gebe immer wieder Herausforderungen: Im Jahr 2022 das große Erdbeben im Süden, jetzt der Krieg rund um den Iran, der sicherlich viele Lieferketten stören werde. Man müsse sich täglich auf sich ändernde Situationen einstellen.

Das ist offensichtlich eine Stärke der Türken. Besonders deutlich zeigt sich das in dem "Innovation Hub" der Messe. Dort werden vornehmlich nachhaltige Neuheiten präsentiert. Vor allem Ideen, die kommerziell gleich umsetzbar sind. Auf anderen Messen geht es häufig um noch nicht marktfähige Materialien mit denen Zukunftsmusik gespielt wird. In Istanbul wird etwa folgendes gezeigt: wiederverwendete Materialien, Schutz vor elektronischer Strahlung, auf Licht reagierende Beschichtungen, besondere Leichtgewebe oder spezielle Färbungen mit Rosenblättern, die mit jeder Wäsche den Rosenduft neu entfalten.


Zukunftspläne

Der Verband Ithib, der die Texhibition organisiert, will die Messe weiter ausbauen. Man bleibt bei den Terminen im März und im September. Ahmet Öksüz, Vorsitzender der Ithib: "Die Texhibition hat sich zu einem strategischen Treffpunkt der internationalen Textilgemeinschaft entwickelt. Jede Ausgabe stärkt die Verbindung zwischen der Fertigungsexzellenz der Türkei und der globalen Nachfrage." Die kommende Veranstaltung findet vom 9. bis 11. September 2026 statt.